Rückblick Spaziergänge – Impulse für das STEK
Aufenthaltsqualität stärken, Begegungsorte schaffen, sichere Radwegeverbindungen errichten: Diese und viele weitere Anregungen brachten die Teilnehmenden der vier Dialogspaziergänge ein, zu denen die Stadt Erlangen am 17. und 18. April 2026 eingeladen hatte. Ziel war es, unterschiedliche Stadträume gemeinsam vor Ort zu erkunden, Perspektiven auszutauschen und konkrete Hinweise für das Stadtentwicklungskonzept (STEK) zu erhalten.
Innenstadt, Frauenaurach, Erlangen-Süd, Büchenbach – Vielfalt der Stadträume im Fokus
Die Routen führten durch zwei innerstädtische Gebiete und zwei Ortsteile. So wurde die funktionale und räumliche Vielfalt der Stadt erfahrbar: von verdichteten innerstädtischen Räumen über gewachsene und neue Wohnquartiere bis hin zu Gewerbestandorten und Übergängen zur Landschaft. Jeder Spaziergang setzte eigene Schwerpunkte und machte sowohl lokale Besonderheiten als auch gesamtstädtische Zusammenhänge sichtbar.
Dialog als zentrales Element
Die Hinweise der Teilnehmenden standen im Mittelpunkt und wurden durch fachliche Impulse an ausgewählten Stationen ergänzt. Beiträge kamen unter anderem von Stadtteilbeiräten aus Frauenaurach und Büchenbach, dem Citymanagement, dem Einzelhandelsverband Bayern, einer Mitgründerin einer Baugruppe für gemeinschaftliches Wohnen sowie Mitarbeitenden der GEWOBAU und der Siemens AG.
Moderiert durch die Planungsbüros forward Planung und Forschung und berchtoldkrass sowie begleitet von Mitarbeitenden der Stadtverwaltung entstand ein offener und konstruktiver Austausch über Qualitäten, Defizite und Entwicklungspotenziale.
Zentrale Themen und Erkenntnisse
Die Beiträge deckten ein breites Spektrum ab und bewegten sich bewusst auf zwei Ebenen:
der gesamtstädtisch-strategischen und der quartiersbezogen-konkreten Ebene.
Aus den Diskussionen lassen sich folgende übergreifende Themenfelder ableiten:
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Aufenthaltsqualität und öffentliche Räume: Auf allen Spaziergängen wurde der Bedarf an attraktiven und inklusiven Aufenthaltsorten deutlich. Begrünung, Möblierung, Verschattung, Barrierefreiheit sowie eine gezielte Entsiegelung wurden als Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Stärkung der Identität benannt.
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Einzelhandel und Stärkung von Ortszentren: Der Strukturwandel im Einzelhandel, veränderte Konsumgewohnheiten und der Rückgang gastronomischer Angebote führen zu Leerständen und einem Verlust an Begegnungsorten; neue Nutzungsalternativen sind erforderlich. Gleichzeitig zeigen Nahversorgungszentren Defizite, insbesondere in der Aufenthaltsqualität und ihrer funktionalen Einbindung.
- Wohnen und Quartiersentwicklung: Diskutiert wurden Anforderungen an ein zeitgemäßes und klimafreundliches Wohnen sowie an qualitätsvolle Nachverdichtung. Dabei spielen die Schaffung von Orten des Zusammenlebens, gemeinschaftliche Wohnformen und gut gestaltete Freiräume im Wohnumfeld eine zentrale Rolle. Gleichzeitig wurden Kriterien für eine verträgliche Nachverdichtung erörtert.
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Freiraumvernetzung und Klimaanpassung: Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung von Grün- und Freiräumen für Klimaanpassung, Erholung und Biodiversität. Eine stärkere Vernetzung dieser Räume sowie Maßnahmen wie Entsiegelung und Begrünung können zur Verbesserung des Stadtklimas und der Aufenthaltsqualität beitragen.
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Nutzungsmischung und Transformation: In Erlangen-Süd standen Transformationsprozesse im Fokus: die Weiterentwicklung von Gewerbeflächen, Nachverdichtung sowie die Integration neuer Nutzungen. Ziel ist eine funktionale Mischung, die kurze Wege unterstützt und die Alltagsmobilität reduziert.
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Übergänge zwischen Stadt und Landschaft: In den Ortsteilen Frauenaurach und Büchenbach wurde die besondere Bedeutung der Schnittstellen zwischen Siedlung und Landschaft deutlich. Nutzungskonflikte zwischen dem Erhalt landwirtschaftlicher Flächen und der Schaffung bezahlbaren Wohnraums wurden intensiv diskutiert.
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Mobilität und Verbindung der Ortsteile: Im Bereich Erreichbarkeit und Nahmobilität wurde die Verbesserung der Ortsteilverbindungen angeregt, insbesondere zur Stärkung des Fuß- und Radverkehrs. Dazu zählen Alltagsrouten ebenso wie übergeordnete Radfernverbindungen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Verkehrssicherheit durchgängigen und konfliktarmen Wegeführungen.
- Soziale Infrastruktur und Alltagstauglichkeit: Die Teilnehmenden benannten Defizite in der sozialen Infrastruktur, insbesondere fehlende geeignete Orte für Jugendliche, sowie Bedarfe bei Sport- und Freizeitflächen, Bildungs- und Betreuungsangeboten und sozialen Treffpunkten – zentrale Bausteine lebenswerter Quartiere.
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Beteiligung und Kommunikation: Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch nach festen, gut erreichbaren Ansprechpersonen in der Verwaltung sowie nach verlässlichen Formaten zur Mitgestaltung öffentlicher Räume. Zugleich wurde eine hohe Bereitschaft deutlich, sich aktiv und kontinuierlich einzubringen.
Fazit
Die Dialogspaziergänge haben zentrale Handlungsbedarfe für die weitere Stadtentwicklung aufgezeigt. Im Fokus stehen insbesondere die Aufwertung öffentlicher Räume, die bessere Vernetzung von Grün- und Freiräumen sowie die Stärkung der Nahmobilität durch sichere Fuß- und Radwege.
Die hohe Beteiligung und die Vielfalt der Perspektiven zeigen das große Interesse an der künftigen Entwicklung der Stadt. Die Stadt Erlangen bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre wertvollen Impulse.











