Das zweite Forum STEK setzte am 16. April den Dialog mit dem festen Kreis aus Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Interessengruppen fort. Etwa zwanzig Personen folgten der Einladung der Stadt Erlangen ins kubic. Ziel des Forums war es, über konkrete Bedarfe zu diskutieren, diese im Raum zu verorten und Prioritäten zu besprechen. Das Forum fungiert als Resonanzraum und hat eine wichtige Beratungsfunktion im STEK-Prozess.

Die Veranstaltung umfasste drei Teile:

Info & Input – Tilmann Lohse, Leiter des Amts für Stadtplanung und Mobilität, begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung eines intensiven Dialogs für die Erarbeitung des STEK. Philip Schläger vom beauftragten Planungsbüro informierte über den aktuellen Arbeitsstand: Die Phase „Entdecken“ ist abgeschlossen, ihre Ergebnisse im Zwischenbericht dokumentiert. Das Jahr 2026 steht im Zeichen der Phase „Entwickeln“ – mit dem Ziel, räumliche Potenziale für die konkurrierenden Anforderungen aus Wirtschaft, Wohnen, Verkehr, Klimaschutz und gesellschaftlicher Vielfalt zu identifizieren und ein räumliches Leitbild zu erarbeiten.

Dialog – Im Fokus der Veranstaltung standen fünf Impulsvorträge, in denen Teilnehmende konkrete Anforderungen an das STEK aus ihren jeweiligen Themenschwerpunkten formulierten:

  • Kultur braucht Raum – und Vertrauen. Jochen Hunger (ZAM) machte deutlich, dass Kulturorte keine Randnotiz der Stadtplanung sein dürfen. Das ZAM zeige, was möglich ist, wenn die Stadt Bürgerinnen und Bürgern Verantwortung für leerstehende Gebäude überträgt: Mit wenig Geld und viel Engagement können lebendige Orte der Begegnung entstehen. Dieses Prinzip sei auf viele Standorte im Stadtgebiet übertragbar – das STEK solle dafür die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.
  • Teilhabe ist kein Selbstläufer. Wolfgang Niclas (Ratschlag für soziale Gerechtigkeit) erinnerte daran, dass soziale Teilhabe aktiv gestaltet werden muss. Er wünschte sich, dass der Erlanger Teilhabebericht als lebendige Road Map ins STEK einfließt – und dass Menschen in Armut, Zugewanderte oder Menschen mit Behinderung bei stadtentwicklungsrelevanten Entscheidungen systematisch mitgedacht werden.
  • Naturschutz mitdenken. Herr Pfeiffer (LBV) sprach sich klar gegen neue Gewerbegebiete im Außenbereich aus und forderte stattdessen Nachverdichtung, Photovoltaikpflicht und den Verzicht auf neue ebenerdige Parkplätze. Seine Botschaft: Naturschutz bedeutet nicht per se Verhindern, sondern ein verantwortungsvolles Gestalten.
  • Wirtschaft braucht Fläche – und Strategie. Knut Harmsen (IHK) stellte Eckpunkte aus dem Masterplan Wirtschaft Erlangen 2040 vor. Angesichts begrenzter Flächen brauche es klare Prioritäten: Welche Unternehmen will Erlangen ansiedeln? Wie hält man Gründerinnen und Gründer in der Stadt? Und wie schafft man es, dass Wohnen und Arbeiten besser zusammenwachsen? Die StUB bezeichnete er als unverzichtbaren Baustein für die Zukunftsfähigkeit des Standorts.
  • Klimaschutz ist Gesundheitsschutz. Dr. Ursula Hahn (Forum 1.5 Mittelfranken) schlug eine Brücke, die im STEK bislang fehle: Hitzetote, Allergien, überlastete Intensivstationen – die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels seien längst Realität. Sie forderte daher quartiersbezogene Gesundheitsdaten als Planungsgrundlage und sieht in Erlangen die Chance, bundesweit als Vorreiterin einer gesundheitssensiblen Stadtentwicklung Maßstäbe zu setzen.

Im Anschluss reflektierte die Gruppe die Impulse und versuchte räumliche Ableitungen zu treffen. Dabei zeichneten sich mehrere übergreifende Themenfelder ab: der Grundsatz Qualität vor Quantität beim Umgang mit Flächen, die Notwendigkeit aktiver Steuerung statt passivem Wachstum, die Bedeutung von Dritten Orten als quartiersbezogene Begegnungsräume sowie der Wunsch nach klareren Zielvorgaben – etwa zu benötigten Wohneinheiten oder Gewerbeflächen. Auch die Frage, was „Aushandeln“ im STEK-Prozess konkret bedeute, wurde diskutiert.

Gemeinsamer Ausblick – In seinen Abschlussworten betonte Harald Lang, Referent für Planen und Bauen, dass Erlangen eine dynamische Stadt mit begrenzten Flächen sei – genau deshalb brauche es das STEK: um die wenigen verbleibenden Flächen gezielt und qualitativ zu entwickeln. Quantitative Ziele der Entwicklung werden bewusst nicht formuliert.

Nicht alle Flächen seien gleichwertig entwickelbar; Vorrang haben sollten beispielsweise Orte, wo gute Mobilität vorhanden ist oder wo bereits Veränderungsdruck besteht. Diese Orte gelte es nun systematisch zu untersuchen und für den weiteren Dialog nutzbar zu machen.