Einblicke in die Umfrageergebnisse
Im März und April 2026 nutzten zahlreiche Erlanger*innen die Gelegenheit, sich an der Online-Umfrage beteiligen und Hinweise für das Stadtentwicklungskonzept (STEK) einzubringen. 643 Menschen füllten die Umfrage vollständig aus. Die Teilnehmenden waren zwischen 6 und 87 Jahre alt, die Verteilung nach Alter und Geschlecht war insgesamt relativ ausgewogen. Besonders stark vertreten waren Menschen aus Büchenbach, Innenstadt, Süd, Ost und Bruck.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihre zahlreichen, wertvollen Hinweise.

Erlangens Schätze
„Ich liebe die Natur zwischen Kosbach, In der Reuth und Büchenbach. Die Weiher, die Bäume, tolle Sonnenuntergänge. Ich genieße hier regelmäßig meine Spaziergänge und schätze es sehr, dass wir noch so schöne ruhige Plätze haben,“ Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage.
Was macht Erlangen besonders lebenswert? Die Antworten waren vielfältig. Die meisten Hinweise gab es in der Innenstadt: Schlossgarten, Botanischer Garten, der Wochenmarkt, der Bohlenplatz und viele weitere Orte wurden genannt. Viele schätzen das nachbarschaftliche Leben in ihren Stadtteilen – ob in Büchenbach, Röthelheimpark oder in der Innenstadt. Auch die Universität, die Stadtbibliothek und das Kulturangebot zählen für viele zu den Stärken Erlangens. Häufig erwähnt: die entspannte, weltoffene Atmosphäre einer überschaubaren Stadt, in der sich die Menschen begegnen – auf dem Marktplatz, in Cafés, beim Spaziergang. Besonders beliebt sind die Naherholungsgebiete: Burgberg, Meilwald, Brucker Lache, der Dechsendorfer Weiher und der Grünzug im Röthelheimpark.
Wo sahen die Teilnehmenden Handlungserfordernisse?
„Die Erlanger Innenstadt bietet deutlich zu wenig Schatten und Grün. Im Sommer heizen sich die ganzen versiegelten Flächen sehr schnell auf und es gibt keinen Luftzug in der Stadt,“ Zitat eines Teilnehmers der Umfrage.
Die häufigsten Kritikpunkte: zu wenig Grün und Schatten in einer im Sommer sehr heißen Stadt, wachsender Leerstand und eine eintönige Geschäftsstruktur in der Innenstadt, fehlende oder gefährliche Radwege – vor allem auf Verbindungen nach Nürnberg und zwischen den Stadtteilen. Hinzu kam Kritik an der ÖPNV-Anbindung von Ortsteilen wie Tennenlohe, Eltersdorf oder Dechsendorf. Plätze wie Rathausplatz, Zollhausplatz und Neuer Markt wurden als zu versiegelt und zu wenig einladend beschrieben. Viele wünschten sich weniger Durchgangsverkehr in der Innenstadt. Die StUB wurde oft als wichtige Verkehrsalternative genannt. Die Nennungen konzentrierten sich auf die Innenstadt, Büchenbach und Bruck.
Wo steckt Entwicklungspotenzial?
„Seit Jahrzehnten wurde in Erlangen kein neues Gewerbegebiet entwickelt, das modernen Ansprüchen gerecht wird. Dies führt zu Abwanderung von Unternehmen, die in den Nachbarkommunen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten finden,“ Zitat eines Teilnehmers der Umfrage.
Rund 1000 Hinweise gingen zu dieser Frage ein. Es wurden zahlreiche Angaben zu leerstehenden Gebäuden in der Innenstadt gegeben – verbunden mit dem Wunsch, Eigentümerinnen und Eigentümer stärker in die Pflicht zu nehmen. Alte Siemens-Areale, Brachflächen an der Bahntrasse und eingeschossige Supermärkte wurden als Potenziale für bezahlbaren Wohnraum benannt. Versiegelte Parkplätze und unbelebte Plätze sollten zu Grün- und Freizeitflächen verwandelt werden. Viele Teilnehmende sahen insbesondere bei Gewerbeflächen Entwicklungspotenzial: Sowohl neue Standorte als auch die Reaktivierung bestehender Areale wurden als Potenziale markiert. Und das Regnitzufer – bisher kaum erlebbar – wurde als großes ungenutztes Potenzial wahrgenommen: mit dem Wunsch nach Promenaden, Badestellen und Cafés direkt am Wasser.

Erlangen 2040 – Blick in die Zukunft
„Durch die konsequente Stärkung gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften […] ist es im Jahr 2040 auch für Familien relativ einfach, eine bezahlbare, ruhige Wohnung mit hervorragender ÖPNV-Anbindung in Erlangen zu finden,“ Zitat einer Teilnehmerin der Umfrage.
Die Antworten auf die Abschlussfrage zeichneten ein vielfältiges, in vielen Punkten jedoch übereinstimmendes Bild. Die Teilnehmenden wünschten sich eine Stadt der Begegnung – mit belebten Plätzen, Gastronomie und Orten, die zum Verweilen einladen. Grüner und kühler soll sie sein, mit mehr Bäumen und entsiegelten Flächen. Stadt am Wasser – Regnitz, Kanal und Schwabach sollen Teil des Stadtlebens werden: erlebbar, zugänglich, mit Promenaden und Badestellen. Für viele gehören ein eng getakteter ÖPNV, lückenlose Radwege und eine weitgehend autofreie Innenstadt zu einer hohen Lebensqualität. Und überall zieht sich ein Thema durch: bezahlbarer Wohnraum, klug entwickelt auf vorhandenen Flächen statt auf der grünen Wiese. Daneben gab es auch Stimmen, die mehr Wirtschaftsorientierung und Pragmatismus wünschen.
Ranking der fünf wichtigsten Themen
Um ein besseres Verständnis für die Prioritäten der Teilnehmenden zu gewinnen, konnten diese insgesamt zehn verschiedene Themenfelder der Stadt- und Quartiersentwicklung in der Umfrage priorisieren, für die künftig mehr Raum geschaffen werden sollte. Das waren die wichtigsten Handlungsfelder:
- Wohnraum – auf Platz eins (knapp 70 % der Teilnehmenden wählten das Thema auf einen von fünf Rängen)
- Klimaschutz und Klimaanpassung
- Nachhaltige Mobilität – knapp dahinter auf Platz drei
- Bildungsorte und soziale Infrastruktur (insbesondere Schulen und Kindergärten)
- Wirtschafts- und Innovationsorte (43% der Teilnehmenden )
Aus der Rangfolge geht klar hervor, dass für die Teilnehmenden bezahlbarer und ausreichender Wohnraum an erster Stelle steht. Auf den weiteren Plätzen folgen Klimaschutz und nachhaltige Mobilität sowie soziale Infrastruktur und Wirtschaftsstandorte.
Was passiert mit den Ergebnissen?
Die eingegangenen Hinweise wurden von den beiden beauftragten Planungsbüros ausgewertet. Sie bilden eine wichtige Grundlage für die Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzepts (STEK), das strategische Aussagen zu gesamtstädtischen Themen wie Grün- und Freiflächen, Mobilität, Wohnen, Gewerbe und Innenstadt trifft. Das STEK arbeitet dabei auf einer gesamtstädtischen Maßstabsebene – die vertiefte Untersuchung einzelner Flächen oder Quartiere erfolgt in nachgelagerten Planungsschritten.
Hinweise, die zu kleinteilig für das STEK sind oder fachspezifische bzw. stadtteilbezogene Einzelthemen betreffen (z. B. Ampelschaltung, zu hohe Bordsteinkanten etc.), werden an die jeweils zuständigen Fachstellen zur weiteren Bearbeitung übergeben.
Hinweise mit einem besonderen Bezug zur Innenstadt fließen darüber hinaus in ein eigenständiges Innenstadtkonzept ein, das parallel zum STEK erarbeitet werden soll und innenstadtspezifische Themen wie Aufenthaltsqualität, Einzelhandel oder Platzgestaltung vertieft behandelt.


